Day#68 / Milton Creek – Little Jamison Creek Junction (km 1916-1957)

Der Bach an meiner Seite hat ein nächtliches Wunder bewirkt, ich habe geschlafen wie ein Stock. Werde mir wohl ein Whitenoise-Generator für zuhause organisieren müssen, der mir einen plätschernden Bach simulieren kann… 😂 Nach einem bewusst spärlichen Frühstück – das Red Moose in Sierra City soll hikermässig gut sein – flitze ich los, heute von Beginn weg ohne Wanderstöcke, da ich mir überlege mein Zelt gegen eine Hängematte auszutauschen, da müsste/könnte ich ohne die sperrigen Dinger auskommen. Und ja, ohne Stöcke geht‘s schneller voran, bin gespannt, was die Gelenke heute Abend sagen. Der Abstieg ins Tal ist Formsache, das Traversieren zum Highway schon einiges spannender. Es erinnert mich an meine dreitägige Wanderung im Tessin vor einigen Jahren, und besonders interessant ist der zerrupfte Vogel, lebendig habe ich einen solchen noch die gesehen! Nach etwas mehr als einer Stunde komme ich beim Highway an, doch niemand hält und nimmt mich mit, also heisst es ins Städtchen laufen…

Gemütlich und beschaulich ist der Ort, doch irgendwie dünkt es mich komisch, das bei gut und gerne einem Drittel der Häuser ein Stromgenerator im Hinterhof knattert. Als ich beim Red Moose ankomme sitzt der Besitzer gemütlich auf der Veranda und erklärt mir, dass er heute wohl nicht zu öffnen brauche, bereits seit dem Vorabend habe die Stadt keinen Strom aufgrund eines Waldbrandes in einem Nebental, eigentlich habe alles geschlossen. Na super denke ich mir, zum Glück bin ich am Vortag nicht noch runtergestresst, alles macht aber gleichzeitig den Anschein, dass ich weder an ein feines Zmorge noch an mein Resupply-Paket im Post Office komme! Nun, ich begnüge mich mit einem Snickers und Dr. Pepper aus dem Grocery Store, der Generator sei Dank einen minimalen Betrieb aufrecht erhalten kann. Und schliesslich zahlt sich die Geduld aus, das Post Office rückt ab halb elf doch noch Pakete raus… Ruckzuck stopfe ich meine Fressalien in den Rucksack und fahre mit einem Trail Angel zurück zum Trailhead. Wir sind vier Hiker im Auto, doch die anderen drei lassen sich weiter den Berg hochchauffieren, sie würden den strengen Aufstieg überspringen… ich staune, muss jedoch gestehen, dass dieses Verhalten immer häufiger beobachtet werden kann. Es scheinen viele Hiker ermüdet zu sein, es sind auch bereits merklich weniger geworden, wohl der Northcal-Blues. Im Aufstieg erschreckt mich eine Klapperschlange, damit habe ich echt nicht mehr gerechnet. Fast auf dem höchsten Punkt mache ich meine wohlverdiente Mittagspause und geniesse die Aussicht.

Anschliessend geht es in den Kessel hinter die Sierra Buttes runter, vorbei an zwei lauschigen Seen. Auf dem Pack Saddle Campground bin ich nahe dran, mein Zelt aufzustellen, doch ich entscheide mich weiter zu gehen. Der Aufstieg auf den selben resp. verlängerten Grat vom Mittag dauert eine gefühlte Ewigkeit, doch die Ausblicke auf die unter mir liegenden Seen machen die Strapazen wett. Besonders der letzte hat es in sich, sogar ein recht gefährliches Schneefeld gilt es noch zu queren. Ziemlich KO stelle ich kurz vor Sonnenuntergang mein Zelt auf und wasche mich an der eiskalten Quelle. Für die Geräuschkulisse heute Nacht sorgen der Wind sowie Frösche, mal schauen ob ich gleich gut schlafe… 🤗



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3 Kommentare

Kommentieren

Wow, 1200, Hammer. Herzlichen Glückwunsch!!
Ja, ich habe mich schon gewundert, wann Du über die ausgedünnte Mannschaft schreiben würdest. Sind halt nicht alle so tough wie Du.
Wo ist denn nu das Bild mit dem Klappertier?

Hehe, eben, sind meistens nicht so gut zu sehen! Sechstes Foto in der letzten Gallery, schön mittig… 😜

Wieder mal einen Eindruck, wie der Wechsel der landschaftlichen Grössenordnung sich anfühlen kann – Swiss Miniatur (in Melide) x Faktor XY + Schönheit = …???
Das «Einatmen» der Weite erweitert das Lungenvolumen – what a f(r)eeling!

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