Das Vorbereitungs-Brimborium sowie das fertig gelesene Buch haben mich irgendwie unruhig schlafen lassen, kurz vor fünf kräht unbarmherzig der Hahn auf dem Grundstück, noch vor meinem Wecker. Ich mache mir Frühstück und versuche danach alles irgendwie sinnvoll in den Rucksack zu packen, was mir trotz klobigem Bärenkanister gelingt. Mein Rucksack ist ähnlich gut gepackt wie in der Wüste, das bedeutet ein bequemes Tragen, ich bin zufrieden. Noch kurz an die Waage hängen – inklusive 2 Liter Wasser wiegt er 42 lb resp. 19kg, nicht schlecht – und mich verabschieden, dann geht‘s los. Zuerst geht es der Strasse lang zurück zum Trail, dann dem Kern River entlang, am Campground vorbei – ich lache beim Anblick des blauen WC-Zeltes laut auf, sowas gibt‘s – und stetig hoch zum Sattel des Dear Mountain, dann kurz hinab in den Monache Meadow, wunderschön! Ich treffe den Briten Angus wieder, sein lustiger und teilweise komplett unverständlicher Akzent lässt mich immer wieder schmunzeln; er entdeckt zwei Koyoten, die vor uns den Trail queren, sehr cool. Bei der Kern River Bridge mache ich Mittagspause und beim Beobachten der Schwalben, die von/zu ihren Nestern unter der Brücke fliegen, schlafe ich kurz ein…

























Das Nickerchen hat gut getan und hilft mir den langen aber angenehm steilen Anstieg hoch zum Olancha Peak auf mich zu nehmen. Der Trail führt durch einen Wald riesiger Kiefern, ich bin wieder in meinem Element. Bei der letzten Möglichkeit Wasser einzupacken treffe ich den Kalifornier Greg, der letztes Jahr einen Videoblog führte für die Strecke von Campo nach Kennedy Meadows, dieses Jahr hängt er die Sierras an. Ich hatte während meinen Vorbereitungen im 2021 keine Folge von ihm auf YouTube verpasst, und jetzt habe ich ihn an seiner Stimme erkannt, echt witzig! Gerade als ich mich verabschieden will, kommt mir eine grün gekleidete, freundliche aber ziemlich ernst dreinschauende Frau entgegen. Es ist eine Backcountry-Rangerin (mit ähnlichen Vollmachten wie eine Polizeiperson) und sie will von mir den gesamten Papierkram d.h. die Permits, Ausweise etc. sehen und sie frägt mich aus… eieiei, ich metzge mich nicht schlecht, sie lässt mich nach rund zehn Minuten weitergehen, ich will aber nicht mitbekommen, wie gewisse hinter mir, von denen ich weiss, dass sie ihr Essen nur halb im Kanister oder gar kein Paper-Permit auf sich führen, geschieht. Im Worstcase werden sie aus dem Nationalpark verwiesen und ihr Permit annulliert, autsch! Ich gehe noch run anderthalb Stunden weiter, geniesse den Ausblick auf den Olancha Peak, das unter mir liegende Meadow sowie die fernen Berggipfel. Gemütlich und noch bei wärmender Sonne stelle ich mein Zelt auf und koche mir ein feines Znacht. Ich bin gespannt, wie die Nacht auf über 3100 m.ü.M. temperaturmässig wird, es geht ein kalter Nordwind. Und Bären soll es aktuell auch gleich mehrere haben in dieser Ecke des Parks… 🙃



























1 Kommentar
KommentierenWow, das Zelt ist ja cool. Entweder ist das ein Dalek-Zelt oder die amerikanische Version eines Dixie-Klos.
Murmeli?
Und «Chains required» ist süss. Daher der Ausdruck «Chain Gang»?
Ich frage mich manchmal, warum amerikanische Amtspersonen immer erst mal raushängen lassen müssen, dass sie eine Amtsperson sind. In der Psychologie wird soetwas als Zeichen für Schwäche gedeutet …
Hoffe, Du hattest eine gute Nacht und wünsche Dir weiterhin alles Gute!