Hike #49 / Grindelwald – Burglauenen – Schyterlamm – Burglauenen

Eigentlich hatte ich heute eine ausgedehnte Winterwanderung geplant, mir war aber bewusst, dass der Erfolg an einem seidenen Faden hängt. Und fĂĽr einmal kam es so, wie ich es mir jeweils nicht wĂĽnsche: Ich musste rechtsumkehrt machen! Doch der Reihe nach…

Schon lange reizt mich der eine Bergwanderweg von Burglauenen an der Nordseite des Männlichen resp. dem Itramenberg entlang hoch nach Wengen. Eher zufällig hatte ich diesen vor ein paar Jahren entdeckt, als wir im Sommer mal mit dem Auto beim Bahnhof Burglauenen ein paar Ultra-Marathonläufer den Vortritt lassen durften (siehe Route E101/E35 auf dem Streckenplan des Eiger-Ultra-Trail). Eine kurze Recherche ergab mir viele begeisternde Berichte fĂĽr die Wanderung von Burglauenen ĂĽber die Spätenalp und das Leiterhorn nach Wengen, jedoch ausschliesslich fĂĽr den Sommer. Nun gut, denke ich, wird trotz Hinweis auf die «hinabdonnernden Schneemassen im Winter» schon irgendwie gehen. Also plane ich einen rund 30km langen Kringel fĂĽr meine heutige Wanderung, von Grindelwald nach Wengen, hoch zur Kleinen Scheidegg und schliesslich auf den Männlichen. Wenn alles gut läuft, dann erreiche ich noch knapp das letzte Gondeli, so der Plan.

Ich starte um acht Uhr mit Schneeschuhen, Steigeisen, Wanderstöcken sowie genügend trockene Kleidung und Kalorien vom Terrassenweg in Grindelwald, schlängle mich hurtig durchs Dorf runter an die Schwarze Lütschine. Dieser folge ich zügig bis nach Burglauenen, spannend das vielbefahrene Tal mal von der anderen Seite zu sehen. Imposant auch unter der (gefühlt) überhängenden Felswand der Schafey zu stehen.

Noch vor der BrĂĽcke zum Bahnhof Burglauenen steigt der Bergwanderweg gleich links hoch, und ich komme gut voran. Nach ein paar Kehren endet das asphaltierte Strässchen und der Aufstieg wird schöner, teils ĂĽber tief verschneite Wiesen, teils durch den unberĂĽhrten Wald, aber auch anstrengender. An zwei Stellen kreuze ich Rinnen mit Lawinenkegeln, einmal gar ein quasi vollständig zerstörtes WaldstĂĽck. Herausfordernd ist nicht nur die kreuzende Kraxelei an sich, sondern auch den Bergweg danach wieder zu finden. GlĂĽcklicherweise ist – wohl ein paar Stunden vor mir – eine Gämse denselben Weg gegangen, ihren Spuren folgend stosse ich fast immer auf den Wanderweg. Schliesslich erreiche ich oberhalb eines mir gefährlich scheinenden Neuschneehangs das RittenhĂĽttli. Der Nebel hat sich gelichtet und gibt den Blick auf die Schnynige Platte frei.

Von da an gehts anstrengend weiter, zuerst durch den Tiefschnee, dann steil durch ein WaldstĂĽck, schliesslich ĂĽber einen breiten Lawinenkegel im Ahorewang. Nur mĂĽhsam kann ich die Rinne queren und das darauf folgende verwĂĽstete WaldstĂĽck hinter mich bringen. Vorsichtig nähere ich mich der Schyterlamm-Rinne, bei der der Weg zuerst mit wackeligen Pfosten und einer Kordel, dann ĂĽber einen hoch absturzgefährdeten Teil mittels Holzplanken und Stahlseilen gesichert ist. Auf der anderen Seite geht der Weg sichtlich weiter, doch als ich auf den durchhängenden Planken stehe und erkenne, dass der abschĂĽssig liegende Schnee auf dem Weg vor mir komplett vereist ist, beschliesse ich umzukehren. Ohne Eispickel ist hier – zumindest fĂĽr mein Gusto – kein Durchkommen. Also kehre ich um, auch deshalb, weil gemäss meinem Kartenmaterial das WaldstĂĽck hinter der nächsten Kehre sprich oberhalb der Gertschmattenegg sich ähnlich steil ankĂĽndet, und ich diese Passage mir sicherlich nicht zweimal zutraue…

Auf dem RĂĽckweg sinniere ich ĂĽber die gefällte Entscheidung, denn auf den geschossenen Fotos sieht alles so harmlos aus. Ich bleibe dabei, meine Entscheidung erscheint mir richtig, auch wenn es mich zugegebenermassen schon ein wenig wurmt, knapp 600m vor der Alpwirtschaft Spätenen und dem dahinter flacheren Abschnitt zum Leiterhorn hin umgekehrt zu sein. Dies ist definitiv eine neue Erfahrung fĂĽr mich, und auch die Erkenntnis, dass im steilen, verschneiten Gelände es mir einfacher fällt hoch resp. vorwärts zu gehen, als den selben Weg wieder runter resp. retour. Beim Bewältigen gewisser Passagen ist es sicherlich nicht verkehrt, sich auch Gedanken darĂĽber zu machen, ob und wenn ja wie sie in umgekehrter Richtung begehen werden können… Und ja, nächstes Mal in so steilem Gelände ist auch meine Eisaxt dabei.

Unten in Burglauenen angekommen, spare ich mir den Rückweg zu Fuss nach Grindelwald und steige ins Bähnli, so geht das. Und die komplette Tour spare ich mir für den Sommer! 🙂


Distanz: 14km
Höhenmeter: 635m
Marschzeit: 4h15
GPS-Route: SchweizMobil
Beschrieb: Vom Schattenhang zur alpinen Sonnenterrasse (gilt nun nachweislich nur für den Sommer!)


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