Hike#99 / Gsteig – Ovronnaz

Dieses Jahr bin ich aufgrund familiärer Verpflichtungen bis jetzt kaum auf den Trail gekommen, zudem haben PCT-Kollege Immo und ich unsere drei geplanten Termine allesamt, auch wetterbedingt, kurzfristig absagen oder zu einem Spaziergang umwandeln müssen. Entsprechend ist zum Herbstanfang mein Lechzen nach Natur riesengross, und wir beschliessen, einen Overnighter allen Umständen zum Trotz durchzuziehen. Samstag frühmorgens geht‘s los von Bern über Spiez, Zweisimmen und Gstaad in Richtung Les Diablerets, wir steigen voller Vorfreude in Gsteig aus dem Postauto. Im Talboden knallt es heftigst, im nahegelegenen Schiessstand ist ein Feld- oder Kranzschiessen im Gang.

Distanz: ca. 40km
Höhenmeter: ca. 2’800m hoch / 2’660m runter
Marschzeit: 15h
GPS-Route: SchweizMobil (ursprünglich geplante Strecke über Cabane Rambert)
Beschrieb: Sanetsch-Muveran-Weg (Nr. 82), Etappen 1 bis 3 (ohne Abschnitt Lac de la Forcle – Ovronnaz von Etappe 3)

Gsteig bei Gstaad – La Croix de l‘Achia (Tag 1)

Wir marschieren los, es ist erfrischend bis gar fröstelnd kühl, doch der Anstieg hoch zum Sanetsch-See wird uns genügend wärmen. Unterwegs begegne ich noch einem Alpensalamander, als Kaltblüter will er zwar fliehen, doch das geht so langsam, dass ich schon vorbei bin… auch eine Überlebensstrategie, den Gegner durch Langsamkeit zum Wahnsinn zu bringen, sodass er aufgibt. 🙂 Oben angekommen kreuzen wir erste Camper:innen, die sich mit dem Auto samt Dachzelt bis ans Ende des Stausees vorgewagt und ihren Lagerplatz eingerichtet haben, ein sehr schöner Ort!

Dann geht es für eine gute Stunde entlang des Stausees und in Richtung Sanetschpass. Auf der Passhöhe angekommen eröffnet sich uns der Panoramablick auf Weiss- und Matterhorn sowie Dom, einfach grossartig! Nach einem kurzen Zmittag geht es fortzu einer spannend anzuschauenden, gletschergeprägten Landschaft hoch. Etwas unterhalb des Sex Rouge (was soviel wie „roter Fels“ bedeutet) gibt‘s eine kurze Kraxelpartie, ein paar hundert Meter später blicken wir ins Tal nach Derborence sowie auf ein grosses Schild, das auf den Eintritt ins Jagdbanngebiet aufmerksam macht. Auweia, das habe ich in meiner Husch-husch-Planung komplett übersehen! 🙄 An eine Übernachtung im Tal ist nicht zu denken, die Cabane Rambert CAS ist mit fast 20km zu weit, insbesondere das frühere Eindunkeln und die Höhenmeter machen uns ein Strich durch die Rechnung…

Wir beschliessen kurzum über La Croix de l‘Achia das Jagdbanngebiet zu verlassen und oberhalb des Etang de Trente Pas zu übernachten, das verspricht eine schöne Aussicht aber auch einige zusätzlichen Höhenmeter. Nach einem steilen Aufstieg durchs Geröll überschreiten wir den markanten Grat und bauen oberhalb der Bleibe einer Hirtin unser Schlafplatz auf. Hundemüde krieche ich in mein neues, Occasion erstandenes Biwak-ähnliches Zelt, Wahnsinn was dieses für sein Gewicht hergibt! 👍

Unser Schlafplatz beim Kartenpunkt 2321 hat eine super Aussicht ist aber ziemlich exponiert und uneben, Nachahmern seien vorgewarnt. Dafür hat es ca. 200m davor eine Wasserquelle, die zumindest als wir da waren, von den Hirten angezapft wurde.

La Croix de l‘Achia – Ovronnaz (Tag 2)

Den zweiten Tag gehen wir ziemlich gemütlich an, die Nacht war frisch aber nicht wirklich kalt. Mit der wärmenden Sonne im Rücken geht’s zuerst wieder zum Kreuz hoch, danach beschliessen wir nicht den steilen Weg durchs Geröll sondern die Kehre links herum in Richtung Lodze zu nehmen. Nach einer knappen Stunde stehen wir wieder auf dem Sanetsch-Muveran Weg…

Oberhalb des Poteu du Bois eröffnet sich uns der Blick ins Tal hinter Derborence und gross ist die Überraschung, wie steil der Wanderweg uns gleich durch eine kleine Schlucht führt, fast durchgehend gesichert durch Kabel und ein paar Leitern. Ein spannender aber zeitfressender Abschnitt! Den Stausee Lac de Godey passieren wir in einigem Abstand, es folgt ein Abschnitt in sanftem Auf und Ab bis zum touristisch erschlossenen Lac de Derborence und seinem gleichnamigen Refuge. Wir ziehen an diesem vorbei, zuviele Leute hier…

Von da weg führt uns der Wanderweg nur in eine Richtung, nämlich hoch durchs Tal. Bemerkenswert erscheinen einerseits die scharfzackige Gebirgskette nach Norden hin sowie die Hochebene Les Plans du Foche. Beim Stausee Lac de la Forcle legen wir eine Pause ein und beschliessen, aufgrund der langen anstehenden Rückfahrt ab Ovronnaz, den Weg über den Col de la Forcle abzukürzen, das heisst vor der Dent de Chamosentse talwärts zu marschieren.

Der letzte Abschnitt unserer Wanderung führt uns zuerst steil durchs Gelände, dann über einen gelben Wanderweg gemächlich runter nach Ovronnaz, wo wir uns eine Stärkung im lokalen Supermarkt holen und dann mit dem Postauto die Rückreise antreten. Schön war’s! 🙂

Der Blick zurück in Richtung Grand Muveran ist ein wenig wehmütig, gerne hätte ich bei der Cabane Rambert mir den blau-weiss-blauen Weg angeschaut, der ins Vallon de Nant traversiert. Vielleicht ein andermal…


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